Ist eine Sterbegeldversicherung pfändbar? Schutz nach § 850b ZPO und in der Privatinsolvenz

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Zuletzt aktualisiert am 6. Oktober 2026Erstveröffentlichung: 2. Oktober 2026Von Volljurist Kai Lange

Kurze Antwort: Eine Sterbegeldversicherung ist grundsätzlich pfändbar – Gläubiger können den Rückkaufswert pfänden und die Versicherung kündigen lassen. Es gibt aber eine wichtige Ausnahme: Lebensversicherungen, die nur auf den Todesfall abgeschlossen sind und deren Versicherungssumme 5.400 € nicht übersteigt, sind nach § 850b Abs. 1 Nr. 4 ZPO nur bedingt pfändbar. Das Vollstreckungsgericht lässt die Pfändung dann nur zu, wenn der Gläubiger sonst nicht zu seinem Geld kommt und das für Sie zumutbar ist. Viele klassische Sterbegeldversicherungen liegen unter dieser Grenze.

Was ist eine Sterbegeldversicherung?

Die Sterbegeldversicherung ist eine kleine Kapitallebensversicherung auf den Todesfall. Sie zahlt beim Tod der versicherten Person eine feste Summe – meist zwischen 3.000 und 15.000 € – an die Hinterbliebenen oder direkt an den Bestatter, damit die Beerdigung bezahlt werden kann. Rechtlich ist sie ein Lebensversicherungsvertrag mit Rückkaufswert. Genau dieser Rückkaufswert ist der Ansatzpunkt für Gläubiger.

Wann ist die Sterbegeldversicherung pfändbar?

Konstellation Pfändbar? Rechtsgrundlage
Reine Todesfallversicherung, Versicherungssumme bis 5.400 € Nur bedingt – Gericht muss Pfändung ausdrücklich zulassen § 850b Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 ZPO
Reine Todesfallversicherung, Versicherungssumme über 5.400 € Ja – Rückkaufswert pfändbar allgemeine Regeln (§§ 829, 835 ZPO)
Versicherung mit Erlebensfallleistung oder Kapitalwahlrecht Ja kein Schutz nach § 850b
Vertrag läuft auf den Namen des Ehepartners oder Kindes (Versicherungsnehmer ist nicht der Schuldner) Nein – gehört nicht zum Vermögen des Schuldners –
Bezugsrecht unwiderruflich auf Bestatter oder Angehörige übertragen Rückkaufswert nicht mehr pfändbar; die Ansprüche stehen dem Bezugsberechtigten zu § 159 VVG
Bestattungsvorsorgevertrag mit Treuhandkonto In angemessener Höhe geschützt (vor allem sozialrechtlich als Schonvermögen); Zugriff in der Vollstreckung praktisch erschwert § 90 Abs. 3 SGB XII, Rechtsprechung des BSG
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Die Ausnahme: § 850b ZPO für kleine Todesfallversicherungen

§ 850b Abs. 1 Nr. 4 ZPO schützt „Ansprüche aus Lebensversicherungen, die nur auf den Todesfall des Versicherungsnehmers abgeschlossen sind, wenn die Versicherungssumme 5.400 Euro nicht übersteigt“. Solche Ansprüche sind bedingt pfändbar: Der Gläubiger muss beim Vollstreckungsgericht beantragen, die Pfändung zuzulassen. Das Gericht gibt dem nur statt, wenn die Vollstreckung in das sonstige Vermögen nicht zur vollständigen Befriedigung geführt hat oder voraussichtlich nicht führen wird und die Pfändung nach den Umständen des Falles der Billigkeit entspricht (§ 850b Abs. 2 ZPO). Dabei berücksichtigt das Gericht, dass die Versicherung gerade die Bestattung sichern soll. Mehr zum Paragrafen: § 850b ZPO erklärt.

Prüfen Sie Ihren Vertrag: Enthält er eine Auszahlung im Erlebensfall oder eine Kapitalwahl, ist er keine reine Todesfallversicherung – dann gilt der Schutz nicht.

Sterbegeldversicherung in der Privatinsolvenz

Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens gehört pfändbares Vermögen zur Insolvenzmasse. Der Insolvenzverwalter kann eine Sterbegeldversicherung kündigen und den Rückkaufswert einziehen. Bei kleinen reinen Todesfallversicherungen unter 5.400 € greift der Schutz des § 850b ZPO nicht automatisch, weil § 36 InsO diese Vorschrift nicht in Bezug nimmt; in der Praxis sehen viele Verwalter aber von der Verwertung ab, wenn der Rückkaufswert gering ist und die Versicherung erkennbar der Bestattungsvorsorge dient. Sprechen Sie den Verwalter deshalb frühzeitig an und legen Sie Vertrag und Rückkaufswert offen. Wie Vermögen in der Insolvenz generell behandelt wird, lesen Sie unter Vor- und Nachteile der Privatinsolvenz.

So schützen Sie die Bestattungsvorsorge

  • Versicherungssumme unter 5.400 € wählen, wenn der Schutz nach § 850b ZPO wichtig ist – und keine Erlebensfallleistung vereinbaren.
  • Unwiderrufliches Bezugsrecht für den Bestatter oder einen Angehörigen einräumen. Dann gehört der Anspruch nicht mehr zu Ihrem Vermögen. Achtung: Eine solche Übertragung kurz vor einer Pfändung oder einem Insolvenzantrag kann angefochten werden.
  • Bestattungsvorsorgevertrag mit Treuhand: Das Geld wird auf ein Treuhandkonto eingezahlt und ist zweckgebunden. Sozialrechtlich ist eine angemessene Vorsorge Schonvermögen, das Jobcenter und Sozialamt nicht anrechnen dürfen.
  • Keine Panikkündigung: Wer die Versicherung selbst kündigt und das Geld auf das Konto nimmt, macht es erst recht pfändbar.

Was passiert im Todesfall mit der Auszahlung?

Ist die Sterbegeldversicherung nicht gepfändet und der Versicherte stirbt, zahlt die Versicherung an den Bezugsberechtigten. Haben Angehörige ein eigenes Bezugsrecht, fällt die Summe nicht in den Nachlass – Gläubiger des Verstorbenen kommen nicht heran. Gibt es keinen Bezugsberechtigten, fließt die Summe in den Nachlass und haftet für die Schulden des Verstorbenen. Mehr: Schulden erben.

Häufige Fragen zur Sterbegeldversicherung

Kann der Gerichtsvollzieher die Sterbegeldversicherung pfänden?

Der Gerichtsvollzieher pfändet bewegliche Sachen. Ansprüche aus einer Versicherung werden durch Pfändungs- und Überweisungsbeschluss des Vollstreckungsgerichts gepfändet. Sie müssen die Versicherung in der Vermögensauskunft angeben.

Ist eine Sterbegeldversicherung Schonvermögen beim Bürgergeld?

Eine angemessene Bestattungsvorsorge wird in der Regel nicht angerechnet. Entscheidend sind Höhe und Zweckbindung – bei reinen Sterbegeldversicherungen mit kleiner Summe ist das meist unproblematisch.

Darf ich die Beiträge in der Privatinsolvenz weiterzahlen?

Ja, aus Ihrem pfändungsfreien Einkommen. Ob der Vertrag in der Masse verwertet wird, entscheidet der Verwalter – klären Sie das zu Beginn.

Ist eine Sterbegeldversicherung für den Ehepartner pfändbar?

Nur, wenn der Ehepartner selbst Schuldner ist. Für Ihre Schulden haftet der Vertrag des Partners nicht.

Sie möchten wissen, ob Ihre Sterbegeldversicherung oder Bestattungsvorsorge gefährdet ist? Rechtsanwalt Christian Alexander und Volljurist Kai Lange prüfen Ihren Vertrag im kostenfreien Erstgespräch.

Volljurist Kai Lange

Über den Autor

Volljurist Kai Lange

Kai Lange ist Volljurist bei der LR Schuldnerberatung (Rechtsanwaltskanzlei Christian Alexander) in Hamburg, München und Köln. Als ehemaliger Insolvenzverwalter und Treuhänder kennt er das Insolvenzrecht aus beiden Perspektiven und begleitet seit vielen Jahren Privatpersonen und ehemals Selbständige bei Schulden, Pfändung, Privatinsolvenz und Restschuldbefreiung.

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