Zuletzt aktualisiert am 7. Oktober 2026Erstveröffentlichung: 4. September 2026Von Volljurist Kai Lange, LR Schuldnerberatung
Betrifft die Privatinsolvenz nur den Schuldner?
Kurze Antwort: Ja, im Grundsatz schon. Ehepartner, Kinder und Eltern haften nicht für Ihre Schulden und werden durch die Privatinsolvenz nicht selbst insolvent. Ausnahmen gibt es nur, wenn ein Angehöriger mitunterschrieben oder gebürgt hat, bei gemeinsamen Konten und bei gemeinsamem Eigentum. Spürbar wird die Insolvenz für die Familie vor allem beim Haushaltsbudget – wobei jedes unterhaltsberechtigte Familienmitglied den geschützten Freibetrag erhöht.
Eine der häufigsten Fragen vor einer Privatinsolvenz lautet: Was passiert mit meiner Familie? Schulden sind persönlich. Die Privatinsolvenz eines Elternteils oder Ehepartners betrifft Angehörige deshalb nicht automatisch. Dennoch gibt es einige Punkte, die Sie kennen sollten – vor allem, wenn Sie gemeinsam wirtschaften.
Sorge, dass es die Familie mit trifft?
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Wer ist betroffen? Die Folgen im Überblick
| Angehöriger | Haftet für Ihre Schulden? | Was sich ändern kann |
|---|---|---|
| Ehepartner / eingetragener Lebenspartner | Nein – außer bei Mitunterschrift oder Bürgschaft | gemeinsames Konto, gemeinsames Eigentum, Steuererstattung, Haushaltsbudget |
| Nichteheliche Partnerin / Partner | Nein – außer bei Mitunterschrift oder Bürgschaft | gemeinsames Konto, gemeinsamer Mietvertrag |
| Minderjährige Kinder | Nein | höherer Freibetrag durch Unterhaltspflicht; Kindergeld bleibt geschützt |
| Volljährige Kinder | Nein | nur bei eigener Mitunterschrift; Unterhaltspflicht kann den Freibetrag erhöhen |
| Eltern | Nein – außer als Bürge | Darlehen der Eltern werden normale Insolvenzforderungen; Geldgeschenke in der Wohlverhaltensphase zur Hälfte abzugeben |
Haften Ehepartner automatisch mit?
Nein. Die Ehe allein begründet keine Haftung für die Schulden des anderen. In Deutschland gilt der Grundsatz der Einzelhaftung: Wer nicht mitunterschrieben hat, schuldet nichts. Das gilt auch bei Zugewinngemeinschaft – sie betrifft das Vermögen erst bei einer Scheidung, nicht die Haftung.
Es gibt drei Ausnahmen, und sie betreffen fast alle Fälle, in denen Partner doch in Anspruch genommen werden:
- Mitunterschrift oder Bürgschaft. Wer den Kreditvertrag mitunterzeichnet hat oder als Bürge eingetragen ist, haftet vollständig – auch nach einer Trennung. Die Restschuldbefreiung des einen Partners befreit den mithaftenden Partner nicht (§ 301 Abs. 2 InsO). Hat er selbst keine Mittel, braucht er unter Umständen ein eigenes Verfahren.
- Gemeinsames Konto. Siehe unten.
- Geschäfte zur Deckung des Lebensbedarfs. Nach § 1357 BGB verpflichten Alltagsgeschäfte beide Ehegatten. Gemeint sind übliche Anschaffungen für Haushalt und Familie, nicht der Autokredit.
Was passiert mit dem gemeinsamen Konto?
Bei einem Gemeinschaftskonto (Oder-Konto) fällt mit der Eröffnung des Verfahrens der Anteil des insolventen Partners am Guthaben in die Insolvenzmasse – im Zweifel die Hälfte. Wird das Konto außerhalb der Insolvenz von einem Gläubiger gepfändet, kann der Gläubiger sogar auf das gesamte Guthaben zugreifen. Jeder Kontoinhaber kann dann verlangen, dass sein Anteil auf ein eigenes Pfändungsschutzkonto übertragen wird (§ 850l ZPO). Unsere Empfehlung: Spätestens vor dem Antrag sollte jeder Partner ein eigenes Konto führen, der Schuldner am besten ein P-Konto.
Wird das Einkommen des Partners angerechnet?
Das Einkommen des Partners wird nie gepfändet. Es kann aber mittelbar eine Rolle spielen: Hat Ihr Ehepartner eigenes Einkommen, kann das Gericht auf Antrag anordnen, dass er beim Unterhaltsfreibetrag ganz oder teilweise unberücksichtigt bleibt (§ 850c Abs. 6 ZPO). Dann bleibt Ihnen ein geringerer Freibetrag. Wie das konkret aussieht, erklären wir unter Wie viel darf der Ehepartner verdienen?
Was passiert mit dem gemeinsamen Haus oder Eigentum?
Gehört ein Haus beiden Partnern, betrifft das Verfahren nur den Miteigentumsanteil des insolventen Partners. Der Insolvenzverwalter kann diesen Anteil verwerten – notfalls über eine Teilungsversteigerung. Häufig ist es für die Familie günstiger, wenn der andere Partner den Anteil zum Verkehrswert vom Verwalter übernimmt. Was eindeutig dem Partner allein gehört, gehört nicht zur Masse; Belege dafür sollten Sie früh bereithalten. Mehr: Insolvenz mit Immobilie.
Steuererstattung bei gemeinsamer Veranlagung
Bei gemeinsamer Steuerveranlagung fällt eine Erstattung zunächst in die Masse. Der auf den Partner entfallende Anteil lässt sich aber beim Finanzamt herausrechnen und steht dem Partner zu. Prüfen Sie für die Jahre des Verfahrens, ob eine getrennte Veranlagung günstiger ist.
Folgen der Privatinsolvenz für Kinder
Kinder haften nicht für die Schulden ihrer Eltern – weder minderjährige noch volljährige, solange sie nichts mitunterschrieben haben. Sie bekommen auch keinen eigenen SCHUFA-Eintrag. Für die Familie wichtig:
- Höherer Freibetrag: Jedes Kind, dem Sie Unterhalt leisten, erhöht den pfändungsfreien Betrag deutlich – siehe Pfändungstabelle.
- Kindergeld ist grundsätzlich unpfändbar und gehört nicht in die Masse – mehr unter Ist Kindergeld pfändbar?
- Sparbuch oder Konto des Kindes gehört dem Kind, wenn es auf seinen Namen angelegt und für das Kind bestimmt ist. Geld, das Sie nur „geparkt“ haben, kann dagegen zur Masse gehören.
- Laufender Unterhalt muss weiter gezahlt werden, aus dem Freibetrag. Unterhaltsrückstände werden Insolvenzforderungen; pflichtwidrig nicht gezahlter Unterhalt bleibt aber trotz Restschuldbefreiung bestehen. Mehr: Unterhaltsschulden und Privatinsolvenz.
Folgen für die Eltern
Eltern haften nicht für die Schulden ihrer volljährigen Kinder – es sei denn, sie haben gebürgt oder mitunterschrieben. Zwei Punkte sollten Eltern kennen:
- Darlehen von Eltern oder Verwandten sind ganz normale Schulden. Sie müssen im Gläubigerverzeichnis stehen und werden wie alle anderen Forderungen behandelt. Wer sie verschweigt oder kurz vor dem Antrag bevorzugt zurückzahlt, riskiert die Anfechtung durch den Insolvenzverwalter und im schlimmsten Fall die Versagung der Restschuldbefreiung.
- Geldgeschenke während des Verfahrens: Im eröffneten Verfahren gehört Vermögen, das Sie erhalten, grundsätzlich zur Masse. In der Wohlverhaltensphase müssen Sie Schenkungen zur Hälfte des Wertes herausgeben (§ 295 InsO); übliche Gelegenheitsgeschenke sind ausgenommen. Eltern, die helfen wollen, sollten das vorher mit Ihrem Anwalt besprechen – etwa indem sie Rechnungen direkt bezahlen statt Geld zu überweisen.
Erbschaften in der Familie
Erben Sie während des eröffneten Verfahrens, fällt das Erbe vollständig in die Insolvenzmasse; in der Wohlverhaltensphase müssen Sie die Hälfte des Wertes herausgeben. Sie dürfen ein Erbe auch ausschlagen (§ 83 InsO) – das sollte aber nicht ohne Beratung geschehen, weil beide Richtungen Fallstricke haben.
Umgekehrt gilt: Stirbt ein insolventer Elternteil, erben die Kinder auch dessen Schulden, wenn sie das Erbe annehmen. Dann bleibt nur die Ausschlagung innerhalb von sechs Wochen (§ 1944 BGB). Mehr dazu: Schulden erben.
Trennung und Scheidung während der Privatinsolvenz
Bei einer Trennung bleiben gemeinsam unterschriebene Kredite gemeinsame Schulden. Der Zugewinnausgleich kann Fragen aufwerfen, und der unterhaltspflichtige Partner kann während der Insolvenz oft weniger Unterhalt leisten. Ausführlich: Schulden bei Scheidung.
Häufige Fragen zu den Folgen für Angehörige
Erfährt meine Familie von der Privatinsolvenz?
Die Eröffnung wird im Internet öffentlich bekannt gemacht. Angehörige werden aber nicht vom Gericht informiert. Ob und wie Sie Ihre Familie einbeziehen, entscheiden Sie selbst.
Muss mein Partner seine Einkünfte offenlegen?
Ihr Partner ist nicht Beteiligter des Verfahrens. Sein Einkommen kann aber für Ihren Unterhaltsfreibetrag wichtig sein; Verwalter und Gericht fragen deshalb danach.
Haften Kinder bei Privatinsolvenz der Eltern?
Nein. Kinder haften nicht für die Schulden ihrer Eltern. Nur wenn sie selbst einen Vertrag mitunterschrieben haben oder später das Erbe eines verschuldeten Elternteils annehmen, kann das anders sein.
Dürfen meine Eltern mir während der Insolvenz Geld geben?
Ja, aber Geldgeschenke in der Wohlverhaltensphase müssen zur Hälfte herausgegeben werden. Klären Sie das deshalb vorher ab.
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Eine Privatinsolvenz ist oft für die ganze Familie eine belastende Zeit. Rechtsanwalt Christian Alexander und Volljurist Kai Lange klären im kostenfreien Erstgespräch, wo in Ihrer Familie tatsächlich eine Mithaftung besteht und wie sich alle schützen können. Einen Überblick über alle Folgen finden Sie unter Vor- und Nachteile der Privatinsolvenz.
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