Das Arbeitszeugnis – nicht nur, aber vor allem der Inhalt muss stimmen!

Arbeitszeugnis – einfaches Zeugnis – qualifiziertes Zeugnis – Leistung und Verhalten – Schlussformel – Wartezeit

Immer öfter erreichen uns Anfragen vom Mandanten, die entweder Wochen oder gar Monate auf Ihr Arbeitszeugnis warten oder aber sie sind mit dem Inhalt nicht einverstanden.

WAS TUN?

Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf Erteilung eines Zeugnisses. Der Rechtsanspruch ist geregelt in § 109 GewO (Gewerbeordnung):

„Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis.“

Der Mindestinhalt eines Zeugnisses sind Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit. Dabei handelt es sich um ein sog. einfaches Zeugnis. Ein qualifiziertes Zeugnis hingegen muss ein Arbeitgeber nur dann ausstellen, wenn der Arbeitnehmer/ die Arbeitnehmerin dies ausdrücklich verlangt. Von einem qualifizierten Zeugnis spricht man dann, wenn es neben Art und Dauer der Tätigkeit zudem Angaben zu Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis enthält. Ein Arbeitszeugnis muss außerdem immer schriftlich erteilt werden mit Originalunterschrift der Geschäftsleitung. Ein per Email übermitteltes Zeugnis muss und sollte man nicht annehmen.

Ein großes Geheimnis wird noch immer um die sog. Zeugnissprache genannt. Was soll drinstehen? Wie müssen die Formulierungen lauten? Was hat es mit der Schlussformel auf sich? Ganz grundsätzlich muss man sich vor Augen halten, dass ein Arbeitszeugnis einen Arbeitnehmer/ eine Arbeitnehmerin nicht an seinem/ ihrem beruflichen Fortkommen hindern darf. Es muss aber auch nicht überschwänglich positiv lauten. Wenn nur „1er“ vergeben werden, dürfte ein neuer potentieller Arbeitgeber schon mal die Stirn runzeln. Das heißt nicht, dass eine Leistungs- und Verhaltensbeurteilung in einem qualifizierten Arbeitszeugnis nicht auch durchweg die Note 1 haben darf, man sollte sich jedoch auch selbst bewusstmachen, ob dies dann auch den Tatsachen entspricht oder ob es sich eher um ein Gefälligkeitszeugnis handelt. Hinter einem Gefälligkeitszeugnis verbirgt sich in der Regel eine „unfreiwillige“ Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Insbesondere bei insolvenz- oder betriebsbedingten Kündigungen sollte man aufpassen!

Auf keinen Fall darf man im Internet recherchierte Zeugnispassagen ungeprüft übernehmen; nicht alles, was man auf Webseiten findet, muss richtig sein; nicht alles passt wirklich zusammen. Bei der Schlussformel lautet der Grundsatz: Das Ende ist der Anfang! Allein an der Schlussformel lässt sich festmachen, was für einen Bewerber man vor sich hat. Auch äußerlich sollte ein Zeugnis ordentlich aussehen: Eselsohren, Schreib- und Grammatikfehler sind ein absolutes No-go und müssen verbessert werden.

WIE LANGE WARTEN AUF DAS ARBEITSZEUGNIS?

Eine gesetzliche Regelung oder Wartezeit gibt es leider nicht. Beantragen Sie daher Ihr Zeugnis so früh wie möglich. Eine Frist von 2 Wochen sollte ausreichend sein. Ansonsten erinnern Sie Ihren Arbeitgeber freundlich aber bestimmt. Sehen Sie auch Ihren Arbeitsvertrag durch, womöglich wurden hier bereits sog. Ausschlussfristen vereinbart. Sind diese Fristen abgelaufen, haben Sie auch keinen Anspruch auf ein Zeugnis mehr.

Übrigens: Ein Zwischenzeugnis können Arbeitnehmer natürlich auch verlangen. Aber nicht immer muss eine Bewerbung bei einer anderen Firma der Grund hierfür sein; auch bei einem anstehenden Vorgesetztenwechsel sollte man ein Zwischenzeugnis verlangen. Meist kommt nichts Besseres nach…und wer weiß, wie gut man mit dem neuen Chef klarkommt.


zurück zur Übersicht »